Kunstcamp Flaum. Ein Festivalraum

POSTED IN Blog

Kunstcamp MS Dockville.

Thema 2011 ‘Flaum. Ein Festivalraum.’

Dorothee Halbrock und Laura Raber

SOZIALER RAUM

FESTIVALRAUM ALS SOZIALES UND INTERDISZIPLINÄRES EXPERIMENTIERFELD

Der MS DOCKVILLE Sommer ist ein Raum der besonderen sozialen Interaktion, ein gelebter Raum. Menschen mit unterschiedlichen Motivationen und Hintergründen treffen hier aufeinander: Künstler und Handwerkerinnen, Musikkennerinnen und Kunstliebhaber, Besucher in großen Massen und kleinen Kreisen, Mitspielerinnen und Zuschauer.

Die wechselnden Kontexte am selben Ort – das Kunstcamp als gemeinsamer Produktions- und Lebensraum für Freiluft-Kunst, dessen offener Prozess ab Ende Juli von Programm und Führungen begleitet und von den Gästen mitgestaltet wird, Lüttville, die Ferienfreizeit für Wilhelmsburger Kinder mit künstlerischen Workshops, und das dreitägige Festival als große Abschlusspräsentation mit über 100 Bands und DJs, Performances und Kunst – gestalten dabei den sozialen Raum und bieten unterschiedliche Möglichkeiten zu lebendigem Austausch, außergewöhnlichem Handeln und neuen Formen des Zusammenlebens. Die Herausforderung dabei ist, die Potentiale der verschiedenen Situationen zu nutzen und grenzen- und genre- überschreitend Zugang zu neuen künstlerischen und sozialen Impulsen zu schaffen.

Wir wollen also diesmal die teilnehmenden KünstlerInnen besonders herzlich einladen, sich mit Projekten zu bewerben, die sich mit den spezifischen äußeren und inhaltlichen Gegebenheiten des Kunstcamps und des Festivals auseinander setzen und Möglichkeiten zur interaktiven Erweiterung beinhalten. Die Zusammenarbeit von MusikerInnen und Bildenden bzw. Performativen KünstlerInnen soll dabei be- sonders hervorgehoben werden. Als interdisziplinäres Format konzipiert, wollen wir Projekte fördern, die durch gemeinschaftliches Denken und Schaffen nicht mehr einer Sparte zuzuordnen sind – zum Beispiel Installationen aus Musik und Bild oder choreographierte Bühnenshows, die Konzert und künstlerische Performance vereinigen.

RAUMPRODUKTION

SCHAFFUNG VON BEWEGTEN UND BEWEGENDEN RÄUMEN

Festivals stellen einen Raum dar, in dem vom alltäglichen Leben mit seinen Konventionen Abstand genommen werden kann. Sie sind Inseln, auf denen man Gewohntes und Gewöhnliches vorbeischwimmen lässt. Trotz der ihnen innewohnenden Ausrichtung auf Vergnügen und Enthemmung sind Festivals aber gleichzeitig durch Maßgaben von unerwünschtem und erwünschtem Verhalten definiert: Wieso stehen beim Headliner alle vor der Bühne, warum ist Exzess fast Maßstab und wer definiert Armbändchen als geltende Hierarchie? Auch die Regeln über das Verhalten, Auftreten und Zusammenleben in diesem temporären Mikrokosmos sind also eingebettet in eine gesellschaftliche Praxis, die im Festivalraum reproduziert wird. Herausforderung ist es, sie künstlerisch vielfältig zu hinterfragen, zu überspitzen und auf den Kopf zu stellen: Wie kann man aus und mit einem Festivalraum einen Ort alternativer Wahrnehmungen und Aktionen schaffen? Ist es etwa durch performative und akustische Umfriedung, materielle Inselschaffung, transportierbare Orte oder direkte Intervention möglich, Konventionen bewusst zu machen? Dabei soll der Rahmen des Kunstcamps als Experimentierfeld dienen, in dem Konzepte für das publikumsstarke Festival ausgetestet werden können.

http://www.msdockville.de

Loading
 
cash advance .
Deltasone