>> prozessuales FZ – Manifest

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>> prozessuales Manifest zum Festivalzentrum transeuropa2012

Marleen Wolter, Dezember 2011

>>transeuropa2012 schläft nicht, weil das Festivalzentrum nicht schläft. Hier laufen alle Fäden zusammen. Das FZ repräsentiert und verkörpert >>transeuropa2012 und antwortet auf Bedürfnisse aller Beteiligten. Das Festival als Lebensform wird hier zur erlebbaren Praxis. Aufgeworfene Diskurse laufen zusammen, indem sie visualisiert, intensiviert, kanalisiert und analysiert werden.  Organisierter und unorganisierter Austausch, Kommunikation zwischen Künstlern, Wissenschaftlern und Publikum konstituieren das Festivalzentrum und  erhalten es in einer hybriden, lokalbezogenen Form, dennoch unter Berücksichtigung der eigenen Regeln dieses Raumes, seinem Inszeniert-Sein als Ausnahmezustand.

8 Tage Gesamtinszenierung funktioniert nur, wenn sich die Festivalgemeinde einem Gemeinschaftserlebnis hingibt, das sich Tag für Tag entwickelt. Dafür brauchen wir eine Homebase, ein Herzstück, das den Geist des Festivals interdisziplinär atmet und allen Raum bietet.

Die anwesenden >>transeuropa2012-Künstler sollen in den Räumen des Festivalzentrums wohnen, die Forschungsgruppe soll forschen, das Festivalcafé vollmundige Versorgungsarbeit leisten, die Festivalforschung Bankette abhalten, die Produktionen nachbesprochen werden und alle Welt soll Spielarten von Gemeinschaft kreieren und erleben. Im besten Falle gibt es eine Wiesenfläche zum Zelten, mit Tieren oder ohne. Ruhebereiche gleichwohl wie Collective Works Spaces laden zum Gleich-Dableiben ein. Dem interdisziplinären Anspruch von >>transeuropa2012 wird das Festivalzentrum als Heimstätte verschiedenster Off-Produktionen gerecht. Von Rauminstallationen über Guerilla Happenings bis zu performativen Konzerten sind dem keine Grenzen gesetzt: Comic neben Tanz neben Medienkunst. Darüber hinaus findet hier das Open Space Programm statt, in welchem alle Festivalteilnehmenden Aktionen, Workshops oder Vorträge beisteuern können. Als räumliches Medium des Festivalleitdiskurses wird das Zentrum der Ort sein, in welchem die Diskursforschung Menschen in unverbrauchten Formaten zum Wissens-Sharing zusammenführt. Zur Maximierung unserer „Schwarmintelligenz“ kann im FZ beispielsweise eine kollektive Festivalbibliothek entstehen, sowie regelmäßige Themen-Marktplätze, auf denen charismatische Vertreter lokaler wie globaler Gruppierungen zwecks Kontaktaufnahme und Horizonterweiterung präsent sind.

Im Angesicht all dieser kulturellen und wissenschaftlichen Verantwortungen bleibt das Festivalzentrum gleichwohl ein Ort für Spaß, Pop, Trash and all their friendz. Wie schaffen es populäre Musikfestivals, ihren Besuchern das Gefühl zu geben, ihre Persönlichkeit auf dem Festivalgelände in blühenderen Farben als sonst entfalten zu können? Kann und will ein Theater- und Performancefestivals das auch?

Eine temporäre (Festival-) Gemeinschaft entwickelt sich täglich weiter, der Ausnahmezustand wird von jeder/jedem einzelne_n konstituiert und performt. Das Festivalzentrum muss sich fragen, inwieweit es dieser Eigendynamik eine Dramaturgie verleihen will oder nicht. Vielleicht tickt beim Übertreten der Schwelle eine andere Zeit, verfolgen Menschen andere Interessen als draußen. Hat die Festivalgemeinde ein kollektives Ziel am Ende der Woche? Was passiert, wenn alle Teilnehmenden kleine Task Performances im FZ erfüllen oder die Rollen zwischen Wissenschaftler, Künstler und Publikum aufgeweicht werden?

Das FZ versteht sich als angreifbare, nicht abgeschlossene Entität, d.h. es sucht nach Elementen, die sich je nach Dringlichkeit immer neu anordnen lassen – von jeder und jedem.

Angesichts unserer Entscheidung für Nahbarkeit und weil wir wissen, dass Kuration etwas Subjektives ist, lässt das Zentrum >>transeuropa2012 nicht als gesichtsloses Abstraktum existieren, sondern zeigt, dass und welche Menschen >>transeuropa2012 sind und dokumentiert multimedial unsere Arbeitsprozesse.

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